Handeln Sie in Bezug auf das italienische Referendum

Am 4. Dezember gehen die Italiener zur Wahl, was ein weiteres marktbewegendes Ereignis sein könnte. Die Italiener stimmen über eine Verfassungsreform ab. Diese Volksabstimmung hat sich jedoch auf eine Abstimmung in Bezug auf die Regierung, auf die kränkelnde Wirtschaft und auf die zukünftige Position des Landes im Herzen Europas ausgeweitet.

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Worum handelt es sich?

Die Wahl deckt signifikante Reformen in Zusammenhang mit der Gesetzgebung ab. Insgesamt sind sie dazu bestimmt, dass die Regierung neue Gesetze schneller verabschieden kann. Die größte Veränderung würde das Oberhaus (Senat) von 315 Mitglieder auf 100 reduzieren. Der Senat würde nicht länger direkt gewählt. Der neue Senat würde dann aus Stadträten, Bürgermeistern und Präsidentschaftskandidaten bestehen. Eine weitere auffällige Änderung würde bedeuten, dass das Unterhaus (Abgeordnetenhaus) Gesetze ohne die Billigung des Senats verabschieden könnte.

Tatsächlich würde dies die Macht im Unterhaus zentralisieren und Renzi freie Hand geben, die von ihm gewünschten wirtschaftsfreundlichen und wachstumsfreundlichen Reformen durchzusetzen.

Was sagen die Umfragen?

Die letzten Zahlen zu den Umfragen vor dem zweiwöchigen Blackout, während dem die Veröffentlichung von Umfragen vor der Wahl verboten ist, zeigten, dass das Lager der Neinsager sich einen soliden Vorsprung verschafft hat, obwohl viele Italiener noch unentschlossen sind.

Demos & Pi für die Zeitung La Repubblica – Ja:34%, Nein:41%

Istituto Piepoli für La Stampa – Ja:46%, Nein:54%

Ipsos für Corriere della Sera – Ja:45%, Nein:55%

Ixe für den Fernsehsender Agora-Rai3 - Ja:37%, Nein:42%

Die ETX Marktdaten in Bezug auf das Referendum in Italien zeigten am 28. November eine ungefähre 1 zu 3 Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der „Ja“-Kampagne.

Warum ist es so wichtig?

Renzi machte das Referendum zu einer persönlichen Angelegenheit, in dem er sagte, dass er bei einem Verlust wahrscheinlich abtreten würde. Das hat dazu beigetragen, dass die Abstimmung zu einer direkten Vertrauensfrage in Bezug auf die Regierung geworden ist. Für viele Italiener steht der Ministerpräsident für die Elite, die die Bevölkerung loswerden möchte. 

Das Problem ist, dass die Volkswirtschaft nicht funktioniert. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 11 % und der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP liegt bei 133 %. Anders als in Großbritannien, den USA und Deutschland konnte sich das Wachstum nach der Finanzkrise nicht durchsetzen. Die Produktivität ist über die letzten 15 Jahre kollabiert.

Sollte Renzi abtreten, könnte dies zu politischen Turbulenzen, Eintrübung der Märkte und neuen Wahlen führen, was die Position der populistischen Parteien, die gegen die Mitte-Links-Regierung sind, stärken könnte.

Italiens weiteres Engagement in der Eurozone könnte bei einem Verlust von Renzi ebenfalls in Frage gestellt werden. Die drei größten Oppositionsparteien (die Fünf-Sterne-Bewegung, Lega Nord und Forza Italia) wollen sich vom Euro verabschieden. Sollte Renzi zurücktreten, könnte dies die Regierung unter Druck setzen neue Wahlen einzuberufen. Die Position der herrschenden Elite scheint zu wackeln, da dies das Jahr der Populisten ist.

Sollte Renzi jedoch nicht zurücktreten, würde die Mitte-Links-Regierung bis zu den geplanten Wahlen 2018 als handlungsunfähige Regierung angesehen. Somit gäbe es dann wenig Hoffnung für bedeutende Reformen, die Italiens Wirtschaft weiterhelfen könnten.

Des Weiteren kann das Resultat des akuten populistischen Anstiegs in Großbritannien und den USA dazu führen, dass eine „Nein“-Stimme das Anti-Establishment und die Anti-EU-Parteien vor den Wahlen in Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr weiter unterstützen könnte. 

Welche Märkte sind betroffen?

 

Euro

Der Euro hat schon in Bezug auf den mächtigen Dollar stark gelitten. Das Währungspaar ist seit dem Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen abgestürzt. Der nächste Stop ist die Parität. Eine „Nein“-Stimme und das Abtreten von Renzi könnten die Devisenmärkte erschüttern. Die Märkte müssten das Risiko einpreisen, dass die Eurozone ihre drittgrößte Volkswirtschaft verliert.

Das Währungspaar EUR/USD hat seit dem Sieg von Trump 5 Cents verloren. Somit fiel es von ungefähr 1,11 auf ca. 1,06. Der Euro besitzt eine solide Unterstützungsmarke bei ungefähr 1,05, die jedoch einem ernsten Test ausgesetzt werden könnte, sollte Italien sich gegen die Reformen entscheiden.

Bonds

Das Referendum findet nur eine Woche vor zwei wichtigen Zentralbank Treffen statt. Die Europäische Zentralbank (EZB) tagt am 8. Dezember, während die US-Notenbank am 14. Dezember ihre geldpolitische Erklärung abgibt.

Die Märkte preisen derzeit eine 100 % Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed die Zinsen anheben wird. Auf der anderen Seite könnte die EZB dazu gezwungen werden auf das Ergebnis des italienischen Referendums zu reagieren, was die Bondmärkte erschüttern könnte. Es wird allgemein erwartet, dass die Zentralbank ihr Programm für den Aufkauf von Staatsanleihen verlängern wird. Die Renditen von italienischen Staatsanleihen haben sich seit August verdoppelt, da sich Investoren Sorgen über das Ergebnis des Referendums machen.

Natürlich steigen die Renditen auf allen Märkten, jedoch ist die Risikoprämie für Italien größer als bei den anderen europäischen Mitgliedsländern. Die Differenz zwischen der Rendite italienischer und spanischer Anleihen ist signifikant angestiegen. Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen sind seit August von 1 % auf 2 % angestiegen, während die Renditen für die 10-jährigen Staatsanleihen in Spanien lediglich halb so stark angestiegen sind (von ca. 0,9 % auf 1,5 %).

Bankaktien

Die unmittelbaren Marktspannungen könnten sich bei den unter Druck stehenden italienischen Banken widerspiegeln.

Der italienische Bankensektor leidet unter faulen Krediten. Die Darlehensgeber sind mit notleidenden Krediten von über 400 Milliarden € belastet, was ein Drittel der gesamten Forderungsausfälle in der Eurozone und ungefähr ein Fünftel aller Konsumentenkredite in Italien ausmacht.

Italienische Banken mussten in diesem Jahr deutliche Verluste erleiden (prozentualer Verlust der Aktien in den letzten 12 Monaten):

Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) -88 %

Banca Popolare dell’Emilia Romagna (BPE) -50 %

Banca Popolare di Milano (PMI) -69 %

FinecoBank (FBK) -35 %

Intesa Sanpaolo (ISP) -39 %

MedioBanca (MB) -33 %

UBI Banca (UBI) -69 %

UniCredit (UCG) -66%

Die Bank, die am meisten im Rampenlicht steht, ist die Banca Monte dei Paschi di Siena, die nach mehreren vergeblichen Anläufen ein ambitioniertes Kapitalbeschaffungsprogramm begonnen hat. Die Bank muss noch vor Jahresende 5 Milliarden € frisches Kapital aufbringen und 28 Milliarden € Forderungsausfälle abstoßen. Ein ablehnendes Votum könnte die Re-Kapitalisierung fehlschlagen lassen und Kreditgeber müssten dann fast sicher die Verluste tragen.

Die Sorge besteht, dass von der BMPS eine Ansteckungsgefahr ausgeht, die sich auf den ganzen Banksektor ausbreiten könnte. Ein weiteres Problem liegt darin, dass die Kapitalerhöhung von 13 Milliarden € bei der UniCredit, die für 2017 geplant ist, in Gefahr sein könnte, sofern die BMPS ihre Angelegenheiten nicht in Ordnung bringen kann. Die UniCredit ist die einzige Bank in Italien, die global als systemkritisch eingestuft wird.

Die italienischen Banken leiden unter faulen Krediten. Die wahre Last ist jedoch die leistungsschwache italienische Volkswirtschaft. Die schwachen inländischen Perspektiven helfen dem Land auch nicht bei den herausfordernden Marktbedingungen.

DBRS, die einzige Rating-Agentur, die italienischen Banken eine günstige Finanzierung erlaubt, hat Italien auf die negative Credit Watch gesetzt. Ein ablehnendes Votum könnte Italiens Rating-Einstufung reduzieren, was italienische Banken dazu zwingen würde mehr Sicherheiten zu halten, um von der EZB Geld zu leihen.

Die Ansteckungsgefahr ist nicht nur auf Italien begrenzt. Einige der größten europäischen Kreditgeber könnten ebenfalls betroffen sein, sollten sich die Ängste über die Zahlungsfähigkeit ausbreiten.

Von Deutschland bis Portugal, der europäische Bankensektor scheint zu wackeln. Alleine der Rücktritt verschiedener Mitglieder der Caixa Geral de Depositos hat in dieser Woche das Vertrauen in die staatseigene Bank Portugals erschüttert, die vor einem fünf Milliarden € Rettungspacket stand. Es bestehen weiterhin Sorgen um die Deutsche Bank und ein drohender Ausfall einer großen italienischen Bank würde nicht wirklich zur Beruhigung beitragen.

Margin Veränderungen

Ab dem 2. Dezember werden die Margen für die folgenden Märkte temporär zu den unten angezeigten Raten verändert, um die erwartete höhere Volatilität widerzuspiegeln.

Margen stellen die niedrigsten verfügbaren Margins dar und unterliegen einer Staffelung.

Diese werden auf alle offenen Positionen angewandt. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie zu jeder Zeit ausreichend Gelder auf Ihrem Konto haben, um die Positionen aufrecht zu erhalten.

Um unsere Kunden vor heftigen Marktbewegungen zu schützen, werden wir von Händlern verlangen, dass sie zu jeder Zeit 100 % der Marge auf ihren Konten zu Verfügung haben, da sie sonst zu jedem Zeitpunkt dem Risiko der Schließung ihrer Positionen ausgesetzt sind. Verluste können weiterhin die Einlagen überschreiten. Die Einführung dieser Maßnahme soll die Wahrscheinlichkeit jedoch reduzieren.

Erhöhte Volatilität bedeutet höhere Möglichkeiten, aber auch ein erhöhtes Risiko. Die oben genannten Veränderungen sind dafür konzipiert, die potentielle Gefahr von starken Marktbewegungen zu reduzieren. Trotz alledem unterliegen alle Handelsgeschäfte Risiken und Verluste können die Einlagen überschreiten.

Sollten sie Fragen haben, wie diese Veränderungen Ihr Handeln beeinflussen werden, kontaktieren Sie bitte unseren Kundenservice unter 0800 589 2619 (DE), 0800 006 297 (AUT), 0800 001 347 (CH) oder per E-Mail: customer.service@etxcapital.de

 

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