Dividenpapiere – Non-GAAP Reporting beschönigt Ertragszahlen und Investoren müssen auf der Hut sein.


Wie sind Ertragsveröffentlichungen zu lesen? Es ist eine Frage, die oft von Händlern gestellt wird und nicht so einfach zu beantworten ist, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Es ist weit mehr als nur die Betrachtung der Unternehmensgewinne/Erträge gegenüber den Schätzungen. Das Bild wird durch atypische Reporting Konventionen und Methoden getrübt, die versuchen, ein positiveres Bild der finanziellen Situation aufzuzeigen, als es eigentlich zutrifft.

So genanntes Non-GAAP (Allgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze) Reporting wird mehr und mehr von Unternehmen bei der Veröffentlichung ihrer Ertragsberichte genutzt. Unternehmen sollten sich jedoch bewusst sein, dass diese Methode in letzter Zeit die Aufmerksamkeit von Regulierern auf sich gezogen hat.

Mehr als 88 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 weisen Non-GAAP Kennzahlen in ihren Ertragsveröffentlichungen aus. Laut Hans Hoogervorst, dem Vorsitzenden des Internationalen Rechnungslegungsstandardsgremiums, weisen 82 Prozent dieser Veröffentlichungen erhöhte Nettoeinnahmen aus, „die ganz klar dafür bestimmt sind, die Ergebnisse in einem besseren Licht darzustellten“.

Normalerweise wird das Non-GAAP Reporting dazu genutzt, um das vorzustellen, was Vorstände als einen akkurateren und repräsentativeren Blick auf die zugrundeliegenden Erträge und Gewinne ihres Unternehmens ansehen. Für gewöhnlich weist das Reporting Sacheinlagen und Sondereffekte aus. Die Sorge besteht jedoch, dass diese Zahlen irreführend sein können.

 

 „Losgelöst von der Realität“

Hoogervorst bezieht sich auf eine Studie, die besagt, dass die beliebte Kennzahl „Kerngewinn“ durchschnittlich um 30 % höher als der GAAP Gewinn lag.

Laut Zahlen von S&P Dow Jones Indizes und Thomson Reuters, die durch das Wall Street Journal veröffentlicht wurden, sind die GAAP Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 im letzten Jahr„nahezu unverändert“ geblieben im Vergleich zu 2012. Im Vergleich dazu stiegen die Non-GAAP Gewinne um fast 14 %.

Hoogervorst sagt: „Obwohl diese Zahlen nur den amerikanischen Markt betreffen, sind Wertpapieraufsichtsbehörden in der Welt von IFRS-Richtlinien ebenfalls besorgt, dass sich die Non-GAAP Zahlen mehr und mehr von der Realität loslösen“.

Frühling für die Aktionäre?

“In diesem Zusammenhang ist es ziemlich zermürbend, dass die meisten Vergütungspakete für das Management auf dem bereinigten Ergebnis basieren. Wohl wissend, dass sogar GAAP Zahlen in Bezug auf Erträge angreifbar sind, sollten Vergütungsausschüsse extrem vorsichtig sein, wenn sie ihre Ertragspolitik auf das Ergebnis stützen, das vom Management selbst angepasst wurde“, sagt Hoogervorst.

Eine Serie von kleinen Aufständen durch Aktionäre in der City in der letzten Zeit, weist darauf hin, dass Investoren langsam aufmerksamer werden.

Hoogervorst nennt einen Fall, bei dem die Non-GAAP Kennzahl einen Unterschied von 12 Milliarden $ gegenüber der IFRS Version ausmachte. Ein 6 Milliarden $ Verlust wurde in einen „bereinigten Gewinn“ von 6 Milliarden $ umgewandelt.  Die Vergütung des glücklichen Vorstandsvorsitzenden basierte auf dem bereinigten Ergebnis.

Hoogervorst fügt hinzu, dass „sowohl Aktionäre als auch Vergütungsausschüsse deutlich bewusster und kritischer auf die Rolle von Non-GAAP Kennzahlen bei den Vergütungsformeln schauen sollten“.

Beispiele gibt es reichlich. Alcoa berichtete vor kurzem einen GAAP Netto-Einkommensverlust von knapp über 500 Millionen $ in den letzten 12 Monaten. Das Unternehmen war jedoch in der Lage durch ein wenig Non-GAAP Hexerei dies in einen 532 Millionen $ Gewinn zu verzaubern.

Maßregelung

Regulierer sind nun am Ball. Die Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) hat Valeant für sein Non-GAAP Reporting kritisiert.

Die Kommission hat den kanadischen Pharmagiganten für sein Reporting angeklagt, da es für Investoren „möglicherweise irreführend“ sei.

Die SEC Vorsitzende Mary Jo White sagte, dass sie das Non-GAAP Reporting einschränken wolle und SEC Mitarbeiter Mark Kronforst teilte kürzlich in mehreren Nachrichtenkanälen mit, dass der Regulierer diese Einschränkungen in der Praxis umsetzen möchte.



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