Forex Handel – Was sagen die Wirtschaftsdaten über den Euro?

Händler schauen schon auf das Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Juni. Zuvor werden sich die Märkte eine Anzahl von ökonomischen Daten genau anschauen, die dabei helfen könnten, die Geldpolitik auszurichten.

Industrieproduktion

 

Die letzten Zahlen zur Industrieproduktion aus der Eurozone glichen einer bunten Mischung und und deuteten auf eine Verlangsamung des Wachstums hin.


Die deutsche Industrieproduktion ging im März um 1,3 % zurück und somit deutlich unter den Nennwert. Das ist das schlechteste Ergebnis für die Unternehmen des Landes seit August 2014. Im März stieg die Produktion um 0,3 % im Vergleich zum Vorjahr; Prognosen gingen jedoch von 1,1 % Wachstum aus.


Die französische Industrieproduktion fiel ebenfalls um 0,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Schätzungen gingen jedoch von einem leichten Anstieg der Aktivitäten aus.


Obwohl Italien Anzeichen einer Verbesserung zeigt, sind die Zahlen ein weiteres Zeichen dafür, welche Herausforderungen der Block der 19 Staaten zu stemmen hat.


Die Zahlen für den März kommen, nachdem der Februar den größten Abschwung in der Industrieproduktion der Eurozone seit 18 Monaten gesehen hat.

BIP

 

Die Zahlen zur Industrieproduktion bedeuten möglicherweise eine Überarbeitung der Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal. Erste Schätzungen für die Eurozone gehen von einem Wachstum von 0,6 % im ersten Quartal aus. In den USA werden 0,5 % erwartet, was eine ausdrucksstarke Entwicklung ist, die Stirnrunzeln verursachte.

„Das Wachstum in Europa kann sich trotz eines immer schwieriger werdenden globalen Umfelds behaupten. Es gibt Anzeichen dafür, dass politische Anstrengungen allmählich mehr Arbeitsplätze bringen und Investitionen unterstützen”, teilte der Wirtschafts- und Währungskommissar der EU-Kommission Pierre Moscovici mit.  Die Zahlen zum deutschen BIP werden am Freitag, den 13. Mai, veröffentlicht und genauestens untersucht, um Veränderungen zur ersten Einschätzung auf Basis der schlechten Zahlen zur Industrieproduktion zu erkennen. Entsprechend der Frühlingsprognose erwartet die Europäische Kommission ein BIP von 1,6 % für 2016 in der Eurozone, das hauptsächlich durch die Binnennachfrage und nicht durch schwächelnde Exporte generiert wird.

Deutschlands Leistungsbilanz und Handelsbilanzüberschuss

 

Deutschland ist nicht umsonst auf der Beobachtungsliste für Währungsmanipulatoren des US-amerikanischen Finanzministeriums. Das Land besitzt einen gigantischen Handelsüberschuss, der dem Rest der Eurozone schadet.


Die neuesten Zahlen für die deutsche Leistungsbilanz zeigen einen steigenden Trend, der im März sogar das Rekordhoch von 30,4 Milliarden € erreichte.


Der Handelsbilanzüberschuss ist ebenfalls enorm. Er erreichte im März 20,6 Milliarden €. Exporte lagen bei 107 Milliarden €, während die Importe bei 80,9 Milliarden € lagen. Deutschland besitzt ebenfalls einen erheblichen Handelsüberschuss gegenüber dem Rest der Eurozone.


Kein Wunder, dass EZB-Chef Mario Draghi Deutschland für seinen Handelsüberschuss kritisierte und für das Senken der Zinssätze verantwortlich machte. Diese Woche warnte der IWF ebenfalls, dass der Hang zum Sparen in Deutschland anderen schadet und er sich ein „dynamischeres“ Wirtschaftsmodell wünschen würde.

Inflation

 

Das anhaltende Problem für die EZB ist der Mangel an Inflation. Draghi ist darauf vorbereitet zu warten und zu sehen, welche Effekte die beruhigenden Maßnahmen haben, die im März angekündigt wurden. Die Zeit wird jedoch knapp, da Preise es bisher nicht schaffen ausreichend zu steigen.  


Die Verbraucherpreise fielen erneut im April um 0,2 %. Im März blieben die Preise stabil, nachdem sie im Vormonat um 0,2 % gefallen waren.


Die Europäische Kommission prognostiziert einen Anstieg der Inflation um 0,2 % für dieses Jahr, nachdem sie im November noch 1 % erwartete. Draghi glaubt, dass die Inflation in diesem Jahr noch in den negativen Bereich rutschen könnte. Sollte sich der Trend fortsetzen, wird er möglicher Weise noch weitere Maßnahmen für eine lockere Geldpolitik einleiten.


Die nächste Sitzung der EZB findet am 2. Juni statt.