Euros


Italiens Banken sind mit Forderungsausfällen beladen, die Wirtschaft stagniert und Verbraucher zügeln ihr Ausgabeverhalten: All diese Faktoren führen zu der düsteren Tatsache, dass das Land der kranke Mann Europas ist. 



Banken



Die durchgeführten Stresstests durch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zeigten, dass die italienischen Banken mit ziemlich viel Risiko behaftet sind. Das wussten wir jedoch auch schon vorher. Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat mehr zu kämpfen als die meisten anderen, obwohl der heftige Ausverkauf bei UniCredit ein klares Anzeichen dafür ist, dass der gesamte Sektor aufgrund der Zahlungsausfälle unter Druck steht. 

MPS hat es geschafft 5 Milliarden € Kapital zu beschaffen und ist nun dabei 10 Milliarden € notleidender Kredite abzustoβen. Viele sehen dieses Vorhaben zu Recht skeptisch. MPS ist schon unterwürfig genug, damit Investoren die Kapitallücken schlieβen. Der Preis der Aktie ist um 84 % abgestürzt. Die älteste Bank der Welt hat 8 Milliarden € an Kapital verplempert, das sie in den letzten zwei Jahren beschaffen konnte. Warum sollte es mit den 5 Milliarden € anders sein?

Das Problem ist, dass die stärkeren Banken gebeten werden, die schwächeren zu unterstützen. Italiens Banken können sich nicht gegenseitig weiter Kredite gewähren, da die gesündesten nicht stark genug sind, um die schwächsten mitzuziehen. 

Ein Drittel der Bonds italienischer Banken gehört anderen italienischen Banken, was bedeutet, dass wenn ein Dominostein fällt, viele andere darauf folgen können. 

Die italienischen Banken sind mit 360 Milliarden € notleidender Kredite belastet. Das ist ungefähr ein Fünftel der jährlichen wirtschaftlichen Aktivitäten und ein Drittel aller maroden Schulden in der Eurozone. 

Es gibt viele Gründe für die Probleme in Italien. 

Italien hat es nicht wie Spanien geschafft, die Finanzkrise dafür zu nutzen, um die Spinnengewebe im Banksektor zu beseitigen. Nun bezahlt das Land den Preis für seine Selbstgefälligkeit. Die faulen Eier befinden sich nicht nur in einem Korb, sondern sind weit verbreitet und gefährden das gesamte System. 

Vermögenswerte sind falsch bepreist. Derzeit werden die notleidenden Kredite mit ungefähr 40 Cents auf den Euro bewertet, obwohl der Markt nur bereit ist, 20 Cents zu zahlen. 

Ein Groβteil der Forderungsausfälle von MPS kann mit der unausgegorenen 9 Milliarden € Akquisition in bar von Antonveneta in Verbindung gebracht werden. 

Die notleidenden Kredite in Italien sind ebenfalls ein Merkmal der festgefahrenen Wirtschaft. Es ist eine Wirtschaft, die es nicht geschafft hat zu wachsen und aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Das italienische BIP hat sich kaum erholt gegenüber dem Stand vor der globalen Finanzkrise. Es ist kein Wunder, da Unternehmen und Verbraucher nicht in der Lage sind, ihr Kredite zu bedienen. 




IWF



Die italienische Wirtschaft stagniert und es gibt nicht viel Hoffnung am Horizont. Das BIP expandierte um 0,8 % in 2015. Dies geschah jedoch nach einer Triple-Dip-Rezession, die infolge von der Finanzkrise stattgefunden hat.
 
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), wird Italien das Vorkrisenniveau beim Wachstum nicht bis Mitte 2020 erreichen. 
Der IWF stellt fest, dass das Land sich nur „schrittweise“ von einer solchen tiefen und langwierigen Rezession erholt, obwohl es von einer „auβergewöhnlichen akkommodierenden Geldpolitik, vorteilhaften Rohstoffpreisen, einer unterstützenden Steuerpolitik und einem höheren Vertrauen aufgrund der durchgeführten weitreichenden Reformanstrengungen durch die Behörden profitiert.“

Der IWF sagte, dass „strukturelle Herausforderungen signifikant bleiben.“ Des Weiteren sagte er, dass das Produktivitäts- und Investitionswachstum niedrig sind; die Arbeitslosigkeit auf 11 Prozent verbleibt (mit erheblich höheren Quoten in einigen Regionen und unter den Jugendlichen); die Bankbilanzen durch sehr hohe notleidende Kredite und langwierige Gerichtsprozesse belastet sind; und die Staatsverschuldung auf ein Niveau von 133 Prozent des BIPs angestiegen ist, was die Finanzmittel bei der Reaktion auf Schocks beschränkt.



PMI



Der IWF stellt ein höheres Vertrauen fest, das jedoch bisher nicht die Verbraucherbasis erreicht.
Die letzte PMI-Veröffentlichung von Markit zeigt einen erneuten Einbruch beim Einzelhandelsumsatz in Italien für den Monat Juli. Das war der siebte Rückgang in Bezug auf Ausgaben. Die Zahlen aus dem Juli (40,3) unterschieden sich kaum von denen aus dem Juni (40,2). Alles unter 50 weist auf eine Verlangsammung hin. Die Zahlen zur Industrieproduktion fielen ebenfalls schlecht aus. Die Produktion im Juni fiel schlechter aus als erwartet und ging um 0,4 % zurück.
Sogar die guten Nachrichten und es gibt einige, kommen mit Vorbehalten.
Laut dem letzten PMI von Markit verblieb die nationale Dienstleistungswirtschaft im dritten Quartal im Expansionsgebiet. Die Schaffung von Arbeitsplätzen beschleunigte sich so schnell wie seit August 2007 nicht mehr.
Die Forschungsgruppe hob hervor, „dass trotz alledem der Optimismus bei den Unternehmen in Bezug auf den Jahresausblick auf ein 32-Monatstief zurückgeht.“
Kann Ministerpräsident Matteo Renzi die Situation wieder richten? Es gibt Anzeichen einer Verbesserung und das vor allem bei den Dienstleistungen. Das Gewicht der Banken und der notleidenden Kredite drückt jedoch erheblich. Ein Referendum im Herbst bezüglich einer Verfassungsreform wird entscheidend sein.