Eurozone – Könnte Italien eine größere Bedrohung als der Brexit für die Forex–Märkte werden?

Analysten von Citi behaupten, dass Italien in den nächsten Monaten die größte Bedrohung für die Stabilität der Eurozone werden könnte, da Ministerpräsident Matteo Renzi sein Amt an ein Referendum zur Verfassungsreform knüpft.

In einer in dieser Woche veröffentlichten Studie hebt die Bank zwei Risiken hervor, die aus Italien und Ungarn stammen und als geopolitische Schlüsselfaktoren für die Märkte gelten.

„Ungarn (in Bezug auf EU-Flüchtlingskontingente) und Italien (in Bezug auf die Verfassungsreform) werden wahrscheinlich im zweiten Halbjahr 2016 ein Referendum abhalten. Das letztere ist in diesem Jahr möglicherweise als das einzige große Risiko in der politischen Landschaft Europas unter den nicht-britischen Themen zu betrachten, da die politische Zukunft des Premierministers Renzi sehr wahrscheinlich vom Ergebnis abhängen wird. “

„In naher Zukunft erwarten wir kein weiteres Referendum zur Mitgliedschaft in der Eurozone (Eintritt bzw. Austritt), trotz der steigenden Skepsis vieler Länder in Bezug auf die EU und den Euro. Gründe hierfür sind, dass die Wähler in den meisten Ländern nicht direkt ein EU-Referendum auslösen können und dass die Behörden (meistens die Parlamente) derzeit nicht gewillt sind ihre Macht zu nutzen, auch wenn eine politische Legitimierung durch ein Referendum in einer Umgebung eines Vertrauensverlusts in die Eliten verführerisch ist. “

Italiens Banken


Der italienische Bankensektor steht vor großen Herausforderungen und ein Misserfolg könnte die gesamten Anstrengungen zur Sicherung des Euros durch die Europäische Zentralbank zunichtemachen.

Italien hat nicht wie andere Länder nach der Lehman Krise eine gründliche Reinigung bei seinen Banken durchgeführt und es braut sich eine Krise zusammen in Bezug auf die 360 Milliarden € notleidender Kredite, die die Banken halten: ein Drittel aller uneinbringlicher Forderungen der Eurozone und über ein Fünftel der Verbraucherkredite aus Italien.

Der Handel mit den Aktien von Monte dei Paschi di Siena wurde am Dienstag nach einem weiteren starken Absturz ausgesetzt. Die Aktie fiel auf ein Allzeittief und ein weiterer Verkauf war ausreichend, damit der Handel ausgesetzt wurde. Die Aktien verloren in diesem Jahr Dreiviertel ihres Werts und werden derzeit mit einem Zehntel ihres Buchwerts bewertet.

Der Kreditgeber muss auf weitere 10 Milliarden € fauler Kredite verzichten und eine Kapitalerhöhung vornehmen, was aber eine schwierige Aufgabe sein wird. UniCredit, Italiens globale systemrelevante Bank muss ebenfalls ihr Kapital erhöhen. Der Zustand der Bank ist jedoch nicht ganz so prekär.

Banken kennzeichnen ihre Vermögenswerte nicht korrekt – BMPS weist seine uneinbringlichen Forderungen zweimal höher aus als den eigentlichen Marktwert. Dies macht es der Bank deutlich schwieriger Schulden abzubauen.

Italien könnte die Banken des Landes retten und Ministerpräsident Matteo Renzi hat darauf hingewiesen, dass er gewillt ist, öffentliche Gelder zu nutzen und somit die EU-Regeln zu verletzten, falls dies notwendig ist. Eine solche klare Intervention würde jedoch einen schweren Rückschlag für die neuen europäischen Bankgesetze bedeuten und ein System untergraben, das immer noch sehr fragil ist. Des Weiteren wurden vielen Italienern Bankobligationen verkauft, ohne sie über die wirklichen Risiken zu informieren. Der Selbstmord eines Kunden der Banca Etruria macht es derzeit jedoch unmöglich, Inhaber von Bankverbindlichkeiten daran zu beteiligen.

Stresstests werden später in diesem Monat veröffentlicht und dies könnte weitere schlechte Nachrichten für die italienischen Banken bedeuten. Währenddessen ist das Kapital der staatlich gestützten Atlante in der gegenwärtigen Situation zu schwach, um einen wirklichen Einfluss zu haben.

Eine Rettungsaktion, die die gültigen Regeln erfüllt, würde wahrscheinlich einen Schuldenschnitt für Einleger und einen potentiellen Ansturm auf Banken bedeuten, was Rom auf jeden Fall vermeiden möchte.

Renzi möchte die Regeln zur staatlichen Unterstützung aussetzen, was Deutschland jedoch bisher verweigert hat. Es muss schnell eine Lösung gefunden werden oder die älteste Bank der Welt könnte scheitern und somit den Rest des angeschlagenen europäischen Banksektors mit sich ziehen. Die EU muss Flexibilität zeigen, ansonsten geht Italien unter.

An der politischen Front spielt Renzi mit einer Verfassungsreform. Es besteht jedoch keine Garantie, dass er damit Erfolg hat. Die Instabilität, die ein verlorenes Referendum mit sich bringen würde, ist eine weitere große Sorge.