Volkswagen hatte seit Beginn des Millenniums keinen Quartalsverlust mehr ausgewiesen, bis das Ausmaß des diesjährigen Skandals kam. Die Aktien des Autoherstellers mussten einen harten Schlag einstecken und fielen um ein Drittel, nachdem die Nachricht ans Licht kam, dass das Unternehmen hinterhältige Taktiken anwandte, um beim Prozess der Abgasuntersuchung zu betrügen. Bei geschätzten 11 Millionen Fahrzeugen wurde das Gerät eingebaut, das die US-amerikanische Umweltbehörde (EPA) entdeckte.


Ein Betrag von fünf Milliarden Pfund wurde zurückgestellt, um die Rückrufkosten zu bewältigen. Weiteres Geld wird vielleicht nötig sein, da die Rückstellungen keine möglichen Geldbußen beinhalten. Der Umweltregulierer kann Strafen von mehr als 20.000 Pfund pro Fahrzeug erheben, wenn die Abgasbestimmungen nicht eigehalten werden. Somit können die Dinge noch schwieriger werden. Ein Gesamtverlust von 18 Milliarden Pfund könnte die Konsequenz der versuchten Täuschung mit sich bringen. Auf der anderen Seite ist der Reputationsverlust deutlich schwieriger zu messen. Die schiere Größe des Unternehmens bedeutet jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es wieder auf dem Weg der Profitabilität ist. 


Wir müssen unser Gedächtnis nicht großartig bemühen, um uns an den letzten großen Autoskandal zu erinnern. Allein im letzten Jahr sah sich General Motors gezwungen, 30 Millionen seiner Fahrzeuge aufgrund eines defekten Zündschlosses zurückzurufen, was für mehr als zehn Jahre verschwiegen wurde. Mehr als 120 Tote sind auf das mangelhafte Schloss zurückzuführen. Dafür zahlte GM Entschädigungen und weitere 900 Millionen Dollar an Strafen.


An dem Tag (7. Februar 2014), an dem der erste Rückruf verkündet wurde, fielen die GM Aktien von ihrem Dezember-Hoch von fast 41 $ auf 35,95 $. Dieser Einbruch ging stetig weiter und erreichte seinen Tiefpunkt im September diesen Jahres bei 28,88 $ pro Aktie. Das ist fast der Verlust von einem Drittel, wie es auch bei VW passierte, jedoch geschah der Abstieg bei VW deutlich schneller. Seit dem ist GM wieder auf dem richtigen Weg und die Aktien sind nun auf einem gesünderen Niveau von 36 $. Die in Detroit ansässige Firma benötigte 21 Monate, um sich wieder von den Verlusten zu erholen. Das Hoch von 41 $ haben die Aktien bisher noch nicht wieder gesehen.


Das gesamte Ausmaß des VW Skandals scheint nun in der Öffentlichkeit zu sein und der Rücktritt von Führungskräften hat der Firma geholfen, Schuld zu zuweisen, sich zu entschuldigen und die Rückgewinnung der Reputation voranzutreiben. Zum Glück kam es beim VW Fall zu keinen Todesfällen, jedoch hat die Umwelt darunter etwas gelitten.


Wird Volkswagen ebenfalls wie sein großer Rivale General Motors zwei Jahre benötigen, um sich von dem Fall zu erholen? Wenn wir nach der Entwicklung dieses Monats urteilen können, sehen wir ähnliche Ergebnisse. Nachdem wir Anfang Oktober ein Tief von 92,36 $ gesehen haben,  haben sich die Aktien wieder auf einen Preis von 124,80 $ vorgetastet. Trotz alledem muss der deutsche Autogigant noch einen weiten Weg gehen, um sein Hoch von 255 $ aus dem März zu erreichen. Für langfristige Händler kann dies sehr verlockend sein. Wie langfristig dies sein kann, bleibt jedoch offen.